Vom Springen zur Dressur

Mehrere Jahre lang habe ich mich nicht um die Dressur gekümmert. Ich fand es langweilig und wollte nicht immer wieder das gleiche wiederholen. Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren auf einem Vielseitigkeitsturnier war und die Dressurhalle komplett ausgelassen habe. Ich verbrach den Tag die Reiter beim Springen zu beobachten. Das Gefühl und die Aufregung die ich verspürte ,wenn ich den Reitern zusah ,wie sie ihre Pferde durch die Spring Strecke führten, hatte ich nicht wenn ich den Reitern zusah während ihrer Dressur Vorführung. Es ist nicht einfach einer Dressur Lektion zuzusehen , ohne sich zu fragen wie schafft es der Reiter so leichtfüßig, das Schenkelweichen oder das Außengalopp reiten kann.

Wie schafft es der Reiter in den Turnieren auf sehr hohem Niveau piaffe, passage, pirouette zu reiten. Ich fand dieses alles sehr schön aber dabei blieb ist.

So blieb es bei der Tatsache dass ich weiterhin Veranstaltungen wie die LGCT ansah und  dabei träumte eines Tages an der Seite meiner Idole auch dieses Sprungturnier bestreiten zu können. Ich erinnerte mich an meinen Reitunterricht und an die Turniere an denen ich Sonntags teilnahm. Ich habe mir niemals die Frage gestellt, dass ich nicht richtig transversale reiten konnte oder nur ein paar schritte Schulternherein. Ohne die Grundbewegungen des Seitengangs zu können, war ich wirklich eine gute Reiterin? Ich habe dies alles in nicht für wichtig gehalten bis zu diesem famosen Sommer wo ich mit der Welt der Dressur in Kontakt getreten bin.

Es war eine einzigartige Erfahrung und ich hätte keine bessere Reitschule finden können, keine besseren Lehrer und Pferde. Ich bin ehrlich, am Anfang, dachte ich, dass ich nicht reiten kann. Ich fühlte mich wie eine Anfängerin und das war nicht einfach. Ich weiß, dass wir alle einen Moment erreicht haben, wo wir alles hinschmeißen wollten. Im Moment wo wir bemerken dass wir nicht Charlotte Dujardin sind und das es vielleicht besser oder sicherer wäre einfach auf unserem Sofa zu liegen und Netflix zu gucken. Aber ganz tief in unserem Inneren wussten wir auch, dass dieses eine Mal nicht unsere Fähigkeiten wiedergeben. Ich habe viel drüber nachgedacht und ich habe letztendlich den Schluss gezogen, dass die schlechten Erfahrung ,die wir hatten , die besten sind. Ja , wir fallen und wir haben den Eindruck nichts geschafft zu haben. Aber die Tatsache , dass wir wieder aufsteigen und weitermachen und das Pferd reiten mit dem wir es nicht geschafft haben eine Verbindung  herzustellen und dass wir nicht einfach abgestiegen sind und alles aufgegeben haben , hat uns erlaubt stärker und besser vorbereitet für das nächste Mal zu sein.

So denken wir darüber nach was nicht funktioniert hat und wie wir es besser machen können. Im Allgemeinen kommen diese Probleme von der Dressurarbeit. Nicht jedes Training kann perfekt sein, nicht jeder muss jedes mal 1,50 m springen und piaffe reiten um erfolgreich zu sein.

Schon alleine die Tatsache, die Basis der Dressurarbeit wie zum Beispiel den Takt, im kreis traben oder eine Schlangenlinie während einer Stunde geschafft zu haben ist schon sehr erfüllend. Eine gewisse Zeit lang hatte ich den Eindruck nicht weiter zu kommen. Es wurde nicht schlimmer aber es wurde auch nicht besser. Es ist schwierig für einen Reiter oder für jeden Athleten, das Gefühl zu haben nirgendwo weiterzukommen. Aber meine Erfahrung hat mir erlaubt mein Training und auch meine Art zu denken zu ändern. Ohne die Basis des Trainings wirklich begriffen zu haben begrenzt man seine Möglichkeiten weiterzukommen, wie auch die Möglichkeiten seines Pferdes. Ein Monat intensive Dressur ist das beste was mir je passiert ist. Natürlich hatte ich Lust wieder zu springen. Springen wird immer meine Spezialität bleiben. Aber jetzt kann ich meinem Pferd ein variantes Trainingsprogramm anbieten, bei dem ich die Ausbildungsskala folge: der Takt, die Losgelassenheit, die Anlehnung, der Schwung, die Geraderichtung und die Versammlung. Wir sind schon ein paar Schritte weiter gekommen und sind nun viel erfolgreicher in unserem Training.